Wald in Kopfing Oberösterreich

Wald & Mensch

Warum der Wald so gerne mit uns zusammenarbeitet

Fast die Hälfte Österreichs
und ein Drittel Deutschlands sind von Wald bedeckt.

Wir haben also den Wald quasi direkt vor unserer Nase – und trotzdem ist oft nur sehr wenig über die Bedeutung des Waldes bekannt«, sagt Hermine Hackl, Leiterin der Forstlichen Ausbildungsstätte Traunkirchen (FAST), eines der führenden forstlichen Kompetenzzentren der Welt.

»So wissen beispielsweise nur wenige, dass der Wald und damit die Forst- und Holzwirtschaft nach dem Tourismus der zweitwichtigste Wirtschaftszweig Österreichs ist und auch in Deutschland eine große Rolle spielt.

Wer sich für Holz entscheidet, trägt also Wesentliches zur Stärkung der Wirtschaft bei und nutzt ein Material, das bereits seit Jahrtausenden ein nicht wegzudenkender Teil unserer Identität und Kultur ist.Und wer damit baut oder sich damit einrichtet, unterstützt tausende Betriebe sowie ca. 300.000 Beschäftigte in der Holzproduktion und Holzverarbeitung in Österreich sowie ca. 750.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Regionaler Konsum und das Bekenntnis zu regionalen Produkten ist heute vielen Menschen ein besonderes Anliegen geworden – wer Holz nutzt, lebt dies in einer Weise, die unserem Land und unserer Wirtschaft wirklich guttut.«

Nachhaltig
bewirtschafteter Wald

Ein zweiter Punkt, welcher der Forstexpertin sehr am Herzen liegt: »Der Wald und seine Bewirtschaftung können sehr viele schlüssige Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit liefern. Dass Wälder beim Klimaschutz und bei der Einsparung von CO2-Emissionen als riesiger Kohlenstoffspeicher einer der wichtigsten Faktoren sind, ist zwar mittlerweile weithin bekannt. Was viele Menschen allerdings nicht wissen, ist, dass ein nachhaltig bewirtschafteter Wald deutlich mehr für die CO2-Bindung leisten kann als einer, der außer Nutzung gestellt ist.

Ein Wald, der sich selbst überlassen wird, ist im Grunde CO2-neutral. Denn alte, absterbende und verrottende Bäume können CO2 nicht mehr binden, sondern werden selbst zu CO2-Emittenten. Wird der Wald allerdings bewirtschaftet, kann im Sinne eines nachhaltigen Generationenwechsels der zu alte Baumbestand entfernt werden, ehe er CO2 produziert. So entsteht Platz für neue Bäume, die dann umso aktiver der Atmosphäre CO2 entziehen. Der Wald lädt uns im Interesse des Klimaschutzes daher geradezu ein, ihn in einem produktiven Miteinander von Mensch und Natur zu nutzen und zu bewirtschaften – selbstverständlich nur in schonender und nachhaltig verantwortungsvoller Weise.«

Apropos Nachhaltigkeit

»Dieser Begriff ist zwar heute zu Recht sehr aktuell und in aller Munde«, lacht Hermine Hackl, »aber nur wenige Menschen, die ihn verwenden, wissen, dass er eigentlich aus der Forstwirtschaft stammt und bereits über 300 Jahre alt ist. Der deutsche Forstwirt Hans Carl von Carlowitz hat ihn Anfang des 18. Jahrhunderts in einem Buch geprägt, als er den damaligen Raubbau an den deutschen Wäldern kritisierte und für eine vorausschauende, schonende Bewirtschaftung der Ressource Holz plädierte. Das Buch entstand damals übrigens zu einer Zeit der Energiekrise, da die beginnende Industrialisierung und die wachsende Besiedelung der Städte immense Mengen an Brennholz verschlang und die Wälder bedrohte.

Man sieht also: Manche unserer heutigen Probleme gab es in ähnlicher Weise auch schon früher. Und der Wald ist eigentlich der Urgroßvater des Gedankens der Nachhaltigkeit.« Nicht nur der Nachhaltigkeitsgedanke hat seine Wiege in Mitteleuropa, betont Hermine Hackl, sondern auch eine verantwortungsvolle Kultur der Waldnutzung, wie sie der Berliner Forstwissenschafter Georg Ludwig Hartig bereits im Jahr 1804, basierend auf Carlowitz’ Nachhaltigkeitsprinzipien, ausformulierte: »Nachfolgende Generationen müssen ebenso viel Vorteilaus der Bewirtschaftung des Waldes ziehen wie die jetzt lebende Generation.«
 

Raubbau
rundum die Welt

Im Großteil der Welt wird allerdings heute nach wie vor brutaler Raubbau an den Wäldern betrieben: von Lateinamerika, wo alleine im Jahr 2019 rund zwei Millionen Hektar Regenwald vorwiegend für Rinder- und Sojafarmen abgeholzt wurden, über Indonesien, wo der Regenwald der Palmöl- und Zellstoffproduktion geopfert wird, bis zu Russland, wo z. B. Holzarten wie die Mongolische Eiche, die Mandschurische Esche oder die Sibirische Lärche vom illegalen Raubbau bedroht sind. In Europa allerdings, und mittlerweile auch in China, das in jüngerer Zeit große Aufforstungsprogramme gestartet hat, nehmen die Waldflächen sogar zu. Speziell Mitteleuropa, sagt Hermine Hackl, ist eine der wenigen Regionen der Erde, in denen nachhaltige Forstwirtschaft seit Jahrhunderten eine tief verwurzelte Tradition hat.

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»Österreich hat eines der strengsten Forstgesetze der Welt, das bereits auf das Jahr 1853 zurückgeht, und das allen WaldbesitzerInnen die nachhaltige Bewirtschaftung verpflichtend vorschreibt Eine dauernde Nutzung des Waldes zu anderen Zwecken als der Forstwirtschaft wird als Rodung bezeichnet und ist in Österreich grundsätzlich verboten.«
Hermine Hackl, Forstwirtschaftsexpertin

Wiederbewaldungspflicht

Ebenso ist dem Gesetz zufolge nach einer Nutzung auch die Wiederbewaldungspflicht gegeben. Das bedeutet, dass WaldbewirtschafterInnen dafür zu sorgen haben, dass auf der entsprechenden Fläche wieder Bäume nachwachsen und der Wald auch künftig seine Funktionen erfüllen kann.«

»Unser Forstgesetz sorgt zuverlässig dafür, dass die biologische Vielfalt, Produktivität und Regenerationsfähigkeit unserer Wälder jetzt und für die Zukunft gesichert ist«, erläutert Hermine Hackl. »Wir schauen in Österreich also schon rein von Gesetzes wegen mit einem sehr strengen Auge auf unsere Wälder. Und als Waldnation mit langer Tradition haben wir auch die besten ForstexpertInnen der Welt, die international extrem anerkannt sind und die wir ja auch z. B. hier in Traunkirchen ausbilden. 

Dieses große Know-how wird im Land auch intensiv genutzt: Um eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung des Waldes sicherzustellen, sind größere Forstbetriebe dazu verpflichtet, fachkundiges Personal zu beschäftigen. Unsere ForstfacharbeiterInnen, FörsterInnen und ForstakademikerInnen sind bestens dafür ausgebildet. Wie bereits erwähnt, hat Österreich eines der strengsten Forstgesetze der Welt – umso mehr können alle NutzerInnen sicher sein, dass Holz aus Österreich unter den bestmöglichen Bedingungen und in optimalem Einklang mit der Natur produziert wird. Bedroht ist der österreichische Wald nur durch den Klimawandel und seine direkten und indirekten Auswirkungen wie Naturkatastrophen, Trockenheit, Schädlingsbefall etc. – aber mit Sicherheit nicht durch die weltweit vorbildliche Bewirtschaftung durch unsere ForstwirtschaftsexpertInnen.«

Österreichs Wälder
im internationalen Vergleich

Wie gut es dem Wald in Österreich im internationalen Vergleich tatsächlich geht, unterstreicht die Forstexpertin mit eindrucksvollen Zahlen: »Global schrumpfen zwar die Wälder, in Österreich ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall: Unser Wald wächst, und zwar um rund 3.400 Hektar jährlich. Das bedeutet: Jährlich kommt eine Waldfläche von ca. 4.700 Fußballfeldern hinzu.

30 Millionen
Kubikmeter Holz

Seit den 1960er-Jahren hat die Waldfläche in Österreich in einer Dimension zugenommen, die ungefähr der Größe des Bundeslands Vorarlberg entspricht. Oder anders gesagt: Jedes Jahr wachsen in unseren nachhaltig bewirtschafteten Wäldern rund 30 Millionen Kubikmeter Holz nach. Mit dieser nachwachsenden Menge könnte man täglich weit mehr als 2.000 Einfamilienhäuser aus Holz bauen. Ich habe selbst vor einiger Zeit mein privates Wohnhaus aus Holz gebaut und war von dem Gedanken fasziniert, dass dieses Haus in nur wenigen Sekunden wieder nachgewachsen ist. Damit bietet sich Holz als beständig nachwachsendes Roh- und Baumaterial in geradezu idealer Weise an: Mit ca. einem Drittel des jährlichen Holzzuwachses in unseren Wäldern könnte man bereits das gesamte Hochbauvolumen eines Jahres in Holz errichten.

 Hinzu kommt, dass Holz als natürlicher Rohstoff absolut faszinierend ist und mit seinen physikalischen Eigenschaften mit Beton und Stahl durchaus mithalten kann. Rund um den Globus entstehen deshalb nun von Jahr zu Jahr neue, spektakuläre Holzbauten. Und auch hier sind wir in Österreich mit unserem HolzKnow-how international oft führend: Wenn z. B. sogar das höchste Holz-Hochhaus Australiens, das ›25 King‹ in Brisbane, oder die von Stararchitekten wie Norman Foster entworfene ›Canary Wharf Crossrail Station‹ in den Londoner Docklands gemeinsam mit österreichischen Holzbauunternehmen errichtet wird, dann macht mich das schon ziemlich stolz.«

Hermine Hackl

Hermine Hackl *1963 in Graz, leitet seit 2018 die Forstliche Ausbildungsstätte Traunkirchen im oberösterreichischen Salzkammergut. Zuvor war sie u. a. Generalsekretärin der Kooperationsplattform FHP – Forst Holz Papier und Direktorin des UNESCO-Biosphärenparks Wienerwald.

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